Arth-Goldau

Mitglieder und Freunde der SGEG, die regelmässig in unsere Homepage reinschauen, sind wohl nicht allzu sehr überrascht, dass wir passend zu unserer nächsten Exkursion eine Eisenbahngeschichte präsentieren. Den Bahnhof Arth-Goldau kennt jeder, sei es vom Umsteigen, oder als Ausgangspunkt für eine Fahrt hinauf auf die Rigi. Auch für die Südostbahn ist Arth-Goldau ein wichtiger Ausgangspunkt. Es gibt also Stoff genug für ein paar Rückblicke…

Beginnen wir mit einer typischen Gotthardlokomotive, die allerdings beim normalen Publikum weniger bekannt und bei den Lokführern ziemlich unbeliebt war. Die Ae 4/6 10812 fährt mit ihrem Reisezug 1516 Luzern – Erstfeld in Arth-Goldau ein. Über dem hinteren Zugsteil ist der bekannte hochliegende Querbahnhof der Rigibahn zu sehen. Hinter der Lokomotive befindet sich (ein vermutlich bedienter) Postwagen wie das damals häufig vorkam. 30.07.1977 Foto: © Edi Meier, Bülach

Häufiger als vor Reisezügen waren die Ae 4/6 mit Post-, Gepäck- und leichten Güterzügen unterwegs. Hier steht die Ae 4/6 10811 mit ihrem bunt zusammengewürfelten Zug am südlichsten Perron Gleis 1 während Post und Stückgüter ein- und ausgeladen werden. Wahrscheinlich war dieser Zug auf gewissen Streckenabschnitten auch als Güterzug mit Personenbeförderung (GmP) im Fahrplan zu finden. Darauf deutet der modernisierte Einheitswagen I hin. Im Hintergrund: die Mitte Mai noch eingezuckerte Rigi 11.05.1977 Foto: © Edi Meier, Bülach

Am gleichen Perron wie vorher hält auch der Voralpen Express der Südostbahn SOB und ihres damaligen Partners BT (heute fusiniert). Dass drei- oder vierteilige Pendelzüge in diesen Diensten eingeteilt waren, war üblich. Weniger typisch ist der Mitteleinstieg Zwischenwagen, da normalerweise in diesem Prestigezug nur die neusten Einheitswagen eingereiht waren. Dass es sich um einen regionalen Personenzug handelt (wo Mitteleinstiegswagen üblicherweise zu finden waren), ist aber unwahrscheinlich, da diese normalerweise ab dem nördlichsten Perron Gleis 6 auf der anderen Bahnhofsseite abfahren, um nicht alle SBB Gleise queren zu müssen. SOB ABt 202 + B 214 + BDe 4/4 81, oder 82 am 27.04.1974 in Arth-Goldau Foto: © Edi Meier, Bülach

Auch für die Züge Richtung Rotkreuz – Südbahn – Lenzburg war das gleiche Gleis 1 der Abfahrtspunkt. Viele Jahre war das die Domäne von BDe 4/4 Pendelzügen. Hier wartet der BDe 4/4 1631 + B Zwischeneinstieg + ABt 50 85 37 – 03 900 – 2 am 07.10.1975 auf seine Passagiere. Foto: © Edi Meier

Die typische Zusammensetzung von Personenzügen auf der Gotthardstrecke waren 1977 Re 4/4 I Pendelzüge. Leider besitze ich davon im Bahnhof Arth-Goldau nur diese Gegenlichtaufnahme mit der Re 4/4 I 10005. Hinter der Lok eingereiht ist einer der wenigen (10 Stück) Leichtstahlwagen DZ, gut erkennbar am Briefkasten (über der Tafel Geleise überschreiten verboten). Arth-Goldau, 30.07.1977 Foto: © Edi Meier

Der kurze Personenzug ab Arth-Goldau Richtung Zug war am 30.07.1977 mit der Ae 3/6 I 10684 bestückt. Er steht weit vorne in der Ausfahrkurve. Arth-Goldau, 30.07.1977 Foto: © Edi Meier

1984 konnte man noch Ae 6/6 vor Reisezügen beobachten. Diese homogene Zugszusammenstellung mit der Ae 6/6 11405 „Nidwalden“ und Einheitswagen I und II ist nicht sehr typisch für Schnellzüge am Gotthard wo häufig bunt zusammengewürfelte Züge zu sehen waren. Das Gesamtbild wird nur vom letzten Wagen leicht gestört, vermutlich einem Postwagen Z. Goldau, 31.08.1984 Foto: © Edi Meier

Bleiben wir bei den Ae 6/6. Häufiger waren sie natürlich mit Güterzügen unterwegs. Hinter der Ae 6/6 11421 „Graubünden“ sind spezielle Güterwagen eingereiht. Goldau Foto: © Edi Meier

Als 1972 die ersten Re 6/6, hier der Prototyp 11602, auftraten waren die letzten Ae 4/6 noch im Einsatz wie dieses Bild mit der bereits angetroffenen Ae 4/6 10812 mit dem Zug vom ersten Bild im Hintergrund beweist. Statt des Perrondachs zwischen den Gleisen 3 und 4 drängt sich wegen den Umbauarbeiten ein Provisorium auf Stelzen ins Bild. Gut erahnen lässt sich auf dieser Foto die keilförmige Gleisanlage mit dem Aufnahmegebäude dazwischen und dem Perron mit den Gleisen 3 (Luzerner Seite) und 4 (Zürcher Seite / SOB) 30.07.1977 Foto: © Edi Meier, Bülach

Später traten Re 6/6 an die Stelle der bewährten Ae 6/6. Im Vordergrund die Re 6/6 11686 mit ihrem Schnellzug aus Luzern in Richtung Süden. Rechts daneben eine Schwesterlok mit dem Schnellzug aus Zürich. Dies ist die typische Situation wo man in Arth-Goldau zwischen dem schnellen und dem langsameren Zug mit etlichen Halten umsteigen konnte. Foto: © Edi Meier, Bülach

Mit der Zeit verschwanden Ae 4/6, Re 4/4 I und BDe 4/4 in den Personenzügen und wurden durch RBe 4/4 abgelöst und und die Zugsgattung in S- Bahnen umbezeichnet. Hier posiert einer der Prototyp Umbauten, der RBe 4/4 1411 (ja: noch ohne Computernummer!) im blau/ weissen Kleid, aber noch ohne Aussenschwingtüren und mit dem Schild S9 in der Stirntüre. Foto: © Edi Meier, Bülach

Natürlich kamen auch immer wieder Extrazüge in Goldau vorbei. Hier hat die Doppellokomotive Ae 8/14 11801 einen solchen am Zughaken. Der Halt in Arth-Goldau verhalf einigen Reisenden zu einem Erinnerungsfoto. Links neben der Ae 8/14 das Gebäude der 1905 gegründeten Glühlampenfabrik Luxram, die 2019 schliessen musste. Über allem thront die Rigi. 30.06.1985 Foto: © Edi Meier, Bülach

Gotthardlokomotiven unter sich… Die Ae 8/14 11801 mit einem schweren B und die Ae 6/6 11426 an einem Güterzug im Gleisfeld von Arth-Goldau wo Güterzüge auch mal weggestellt und von Personenzügen überholt werden konnten (und können, oft verbunden mit einem Lokführerwechsel). Einzelne Züge wurden auch umformiert. Die Ee 3/3 zwischen den beiden Zügen diente für diese Rangieraufgaben. 31.08.1984 Foto: © Edi Meier, Bülach

Am 30.04.1981 trafen sich der Unkraut Vertilgungszug mit der Ae 3/6 I 10684 (zufällig genau die gleiche Lokomotive wie oben mit dem kurzen Personenzug) und ein planmässiger Personenzug der SOB in Arth-Goldau. Dieser stand ausnahmsweise im Gleis 4 und nicht im Gleis 6, da dieses von einem weiteren Extrazug belegt war… Foto: © Edi Meier, Bülach

Wer mehr zur Unkrautvertilgung bei den SBB wissen möchte, der findet Informationen in der Eisenbahngeschichte vom 21.06.2024.

… der genannte Extrazug für Fotografen war mit den Krokodilen Be 6/8 II 13256 + Be 6/8 III 13302 bespannt. Bei der Ausfahrt des Unkraut Vertilgungszug Richtung Schwyz posiert Letztere im Hintergrund. Der Extrazug Richtung SOB wird bald danach ausfahren, ich musste mich also sputen… 30.04.1981 Foto: © Edi Meier, Bülach

Am 08.04.1984 überquerte bei misslichem Wetter (wohl zum ersten und letzten Mal) ein verkürzter Swiss Express die Steilrampen der Südostbahn und brauchte dafür Hilfe vom Schubtriebwagen De 4/4 21, der bis Arth-Goldau am Zug blieb. Da dieser im Gegensatz zum Swiss Express keine automatische Kupplung besitzt, wurde ein Übergangswagen Sputnik eingereiht, wohl zum einzigen Mal in einem besetzten Zug… Hier ist das Ende des Einsatzes des De 4/4 21 in Arth-Goldau erreicht. Foto: © Edi Meier, Bülach

Die Re 4/4 II 11112 wurde fürs Umfahren des Zuges abgehängt, der De 4/4 21 mit dem Sputnik ebenfalls. So kam es zum Treffen zweier Städteschnellzugs- Lokomotiven aus verschiedenen Generationen. Während die RFe 4/4 601 – 603 nur in 3 Exemplaren gebaut und rasch an Privatbahnen verkauft wurden, weil sie sich als zu schwach erwiesen, waren die Re 4/4 II die SBB Erfolgslokomotive schlechthin mit über 300 Exemplaren. Goldau, 08.04.1984 Foto: © Edi Meier, Bülach

Wechseln wir zum Schluss hinüber zur Rigibahn. Noch am 30.07.1977 hing am Gartenhag nahe der Rigibahn diese Kombination von Schildern. Sowohl der SBB Kreis 4, als auch die Rigi Talbahn waren zu diesem Zeitpunkt längst Geschichte… Foto: © Edi Meier, Bülach

Gleich gegenüber von diesen Schildern erinnert(e) ein Gleisstumpf an den Anfang der Rigi Talbahn hinunter zum Zugersee nach Arth. Die Rigi Zahnradbahn nutzt(e) das Gleis als Abstellplatz für den Reservezug mit der Lok 8 und zwei Vorstellwagen der Serie 31 – 34. Über dem Zug ist der Hochbahnhof der Rigibahn sichtbar und links ein paar abgestellte Güterwagen. Da die Fahrzeuge der Rigibahn keinen Adhäsionsantrieb besitzen, ist auch in diesem flachen Gleisabschnitt eine Zahnstange vorhanden. 30.07.1977 Foto: © Edi Meier, Bülach

Am 30.06.1985 standen anlässlich eines Tages der offenen Türen auf dem südlichsten Gleis von Arth-Goldau verschiedene Fahrzeuge der Rigibahn zur Besichtigung bereit, darunter auch der fürs Verkehrshaus abgetrennte Führerstand des Triebwagens 3, die Schneeschleuderlok 8 mit einem B 31 – 34 und der Triebwagen 3 mit dem B 35. Rechts guckt ein Spitzdach Güterwagen der FS ins Bild… Foto: © Edi Meier, Bülach

Der Triebwagen 6 der Rigibahn, noch im alten blau / weissen Kleid, steht auf der historischen Schiebebühne im Depotbereich der Rigibahn. Die Verschiebung im Handbetrieb benötigte 2 Mann an den Kurbeln. Diese Schiebebühne ist zwischenzeitlich durch eine motorisierte ersetzt. Der Triebwagen 6 ist heute mustergültig restauriert und erfreut häufig historisch interessierte Reisende. 12.10.1982 Foto: © Edi Meier, Bülach

Ausnahmsweise fand am 02.11.1985 die Dampflok H 16 der Vitznau Rigi Bahn den Weg nach Arth-Goldau für eine Extrafahrt. Als Vorstellwagen dienten der noch blau / weisse ARB B 32 und der bereits historisch restaurierte B 35. Die heute fusionierten VRB und ARB waren lange Zeit komplett getrennt und es gab keine Verbindungsweiche auf Rigi Staffel wie heute. Der Dampfzug steht bereit neben dem Depot. Rechts angeschnitten sichtbar die Schiebebühne. Foto: © Edi Meier, Bülach

Da wir auch noch das ehemalige Depot in Arth-Goldau besuchen, folgt zum Schluss noch eine Aufnahme aus diesem Areal. Der frisch restaurierte Z 223 mit seitlichem offenem Seitengang stand am 16.07.1972 zusammen mit der neuen SBB Schneeschleuder im grün bewachsenen Gleisfeld hinter dem Depot. Foto: © Edi Meier, Bülach

Kommentare und Ergänzungen zu dieser Eisenbahngeschichte können an EG ät sgeg Punkt ch geschickt werden, oder nutzen Sie das Formular an unseren Vizepräsidenten Edi Meier. Danke für Ihre Mithilfe.

 

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