In der Eisenbahngeschichte vom 30.09.2023 haben wir die Überfuhr des OJB (Oberaargau – Jura – Bahn) B23 von Oensingen nach Langenthal präsentiert. Er sollte in der Werkstatt Langenthal für unsere geplante Fotofahrt vorbereitet werden und wie damals versprochen folgen nun Bilder dieses Tages.
Für unsere Fotofahrt sperrte die OJB am 24. März 1984 den bereits damals für den Personenverkehr stillgelegten und nur noch für Güterverkehr genutzten Streckenteil zwischen St. Urban und Melchnau komplett. Mit insgesamt 9 Fahrzeugen stellten wir im Laufe des Tages fast 30 unterschiedliche Zugskompositionen zusammen. Nicht nur in Melchnau und St. Urban wurden Wagen, oder der Triebwagen ausgetauscht, sondern meist auch in Untersteckholz. Wir teilen den Tag in mehrere Geschichten auf, damit es nicht zu lang wird. Beginnen wir mit den reinen Personenzügen…
Uns standen für den ganzen Tag die Triebwagen SNB (Solothurn – Niederbipp – Bahn) BDe 4/4 4 und BDe 4/4 5 zur Verfügung. Dazu kamen die beiden noch als Reserve genutzten B 17 und B 20 und natürlich „unser“ B 23. Ausserdem standen Güterwagen zur Verfügung, die dann im dritten Teil vorgestellt werden. Leider zog eine Schlechtwetterfront schneller auf als in den Wetterprognosen angekündigt und bedeckte den Himmel. Ausserdem gab es kurz vor der Fahrt einen Wintereinbruch, so dass die Wiesen eher braun als grün waren. Andererseits konnten wir so alle landwirtschaftlichen Flächen betreten ohne Landschaden anzurichten. Die Dias strahlen aber leider nicht in den gewünschten Farben…
Beginnen wir ganz bescheiden mit dem SNB BDe 4/4 5 und dem B23 vor der Klosterkirche von St. Urban. Die 1711- 1717 anstelle einer älteren Kirche erbaute barocke Klosterkirche wäre natürlich einen Besuch wert, aber dafür reichte uns die Zeit nicht! Der BDe 4/4 5 wurde 1918 von SWS und MFO für die SNB gebaut und rund 3 Monate nach der Betriebseröffnung abgeliefert. 1954 wurde der Wagenkasten modernisiert und 1961 erhielt er neue leistungsfähigere Fahrmotoren von SAAS (Sécheron). 24.03.1984 Foto: © Edi Meier, Bülach
Der SNB BDe 4/4 5 ist mit dem B23 und dem B17 auf Bergfahrt oberhalb von Untersteckholz. Der B 17 wurde 1910 von der SWS für die Birsigtalbahn BTB als B 59 gebaut und 1966 von der OJB gekauft. Da der B 23 bereits 1967 ausrangiert wurde, ist es gut möglich, dass sie hier erstmals gemeinsam einen Zug bilden… 24.03.1984 Foto: © Edi Meier, Bülach
Auch der SNB BDe 4/4 4 macht sich gut zusammen mit dem B 23 und dem B 17 auf Bergfahrt kurz vor der Ankunft in Melchnau. Der BDe 4/4 4 wurde wie der Triebwagen 5 von der SNB bei SWS und MFO beschafft und stand bereits bei der Betriebseröffnung 1918 zur Verfügung. Er wurde 1953 modernisiert und erhielt breitere Führerstände. 1963 erhielt auch er neue Fahrmotoren von SAAS (4x 105 PS statt 4 x 70). 24.03.1984 Foto: © Edi Meier, Bülach
Der SNB BDe 4/4 4 wurde auch mit dem anderen Personenwagen, dem SNB B 20, und dem B 23 auf die Reise geschickt. Hier posiert er beim Bahnübergang oberhalb Untersteckholz, der nur mit einem Andreaskreuz gesichert war. Die Landschaft im Hintergrund ist gegen Ende März noch schneebeckt. 24.03.1984 Foto: © Edi Meier, Bülach
Der gleiche Zug mit dem SNB BDe 4/4 4 + SNB B 20 + OJB B 23 unterhalb von Melchnau. Der B 20 wurde 1920 durch SWS für die SNB gebaut. Er wurde später zum Nostalgiefahrzeug umgebaut und man konnte ihn zusammen mit dem Triebwagen 1 für Extrafahrten buchen. Den Triebwagen 1 haben wir übrigens bei den Fotofahrten nicht verwendet, da er kurz vorher einen neuen Anstrich in orange erhalten hatte. 24.03.1984 Foto: © Edi Meier, Bülach
Der Zug mit dem SNB BDe 4/4 4 + SNB B 20 + OJB B 23 hat den Endbahnhof Melchnau erreicht. Die rund 11 Kilometer lange Strecke wurde von der Langenthal – Melchnau – Bahn (LMB) erbaut und 1917 gleich mit elektrischem Betrieb eröffnet. Das stattliche Gebäude zeugt von früheren Zeiten und den Hoffnungen die man in Melchnau mit dem Bahnbau verband. 24.03.1984 Foto: © Edi Meier, Bülach
Natürlich geht es auch noch etwas länger: schliesslich standen uns ja 3 Personenwagen zur Verfügung… Der SNB BDe 4/4 5 + B 20 + B 23 + B 17 hat nun schwer zu arbeiten. Man beachte die einfache windschiefe Fahrleitung ob Untersteckholz am 24.03.1984 Foto: © Edi Meier, Bülach
So lange Züge mit Doppeltraktion hat es auf der Stecke nach Melchnau vermutlich nur ganz selten gegeben (wenn überhaupt…). Und doch erfreut diese Komposition mit den SNB BDe 4/4 4 + BDe 4/4 5 + B 20 + B 23 + B17 natürlich jedes Eisenbahnerherz! Der lange Zug posiert in der Vorfrühlingslandschaft kurz unter Melchnau. 24.03.1984 Foto: © Edi Meier, Bülach
1975 gab es mit der Radquer WM in Melchnau einen Anlass mit wirklich langen Zügen. Auch da kamen die beiden Wagen B 17 und B 20 zum Einsatz, teilweise mit Triebwagen an der Spitze und am Schluss. So konnte man sich an den Endbahnöfen das Umfahren sparen und sofort wieder zurückfahren. Das gab uns die Idee Gleiches nachzustellen: Der SNB BDe 4/4 4 + B17 + B23 + B 20 + BDe 4/4 5 haben soeben Melchnau verlassen. 24.03.1984 Foto: © Edi Meier, Bülach
Der gleiche Zug von der anderen Seite: Der BDe 4/4 5 + B 20 + B 23 + B17 + SNB BDe 4/4 4 unterhalb von Melchnau. Ob der markante gleichmässige Hügel oberhalb des Triebwagens ein Drumlin aus der Eiszeit ist, oder zufällig eine entsprechende Form hat, kann ich trotz Blick in den geologischen Atlas nicht mit Sicherheit sagen. 24.03.1984 Foto: © Edi Meier, Bülach
Der BDe 4/4 5 mit dem B 20 und dem B 23 posiert oberhalb Untersteckholz. Während die Fotografen eifrig anfingen zu knipsen, gab ich per Funk weiter Befehle an das Fahrpersonal, was mir den einen, oder anderen unverständlichen Blick eintrug… Meine Befehle gingen an den zweiten Zug mit dem BDe 4/4 4 und dem B 17, der die Station Untersteckholz talwärts verliess und so konnte man eine gestellte Zugskreuzung festhalten. Dass dann auch noch der Bahn- Ersatzverkehr in Form eines Postautos das Bild ergänzte, war ungeplanter Zufall… 24.03.1984 Foto: © Edi Meier, Bülach
Kommentare und Ergänzungen zu dieser Eisenbahngeschichte können an EG ät sgeg Punkt ch geschickt werden, oder nutzen Sie das Formular an unseren Vizepräsidenten Edi Meier. Danke für Ihre Mithilfe.
Zurück zu Eisenbahngeschichten.