Die Eisenbahnstrecke von Vallorbe über le Pont nach le Brassus ist in mancher Hinsicht ein Unikum. Während der Steilsteckenabschnitt von Vallorbe über den Abzweigpunkt le Day bis le Pont im Besitz der SBB war, gehörte der eher flache Teil ab le Pont bis le Brassus der Privatbahn PBr (Pont le Brassus). Betrieben wurde die gesamte Stecke seit Jahren von den SBB und immer wieder waren spezielle Fahrzeuge im Einsatz, so auch bei meinem Besuch am 4. Februar 1985.
Die De 4/4 1669 – 1671 stammen ursprünglich aus einer Serie von 25 Fahrzeugen (1661 – 1684, 1685) mit Holzkasten, die 1927/28 SIG, SWS und SAAS für den Vorortsverkehr gebaut wurden. Dem letztgebauten Fahrzeug 1685 mit abweichender Elektroausrüstung von MFO sind wir schon in der Eisenbahngeschichte über den Be 4/4 12001 begegnet.
Bereits zwischen 1930 und 1932 erhielten die im Seetal eingesetzten Fahrzeuge 1661 – 1668 eine neue Getriebeübersetzung was die Höchstgeschwindigkeit von 85 auf 75 km/h reduzierte, dafür die Zugkraft von knapp 6 auf 7 Tonnen am Rad erhöhte. Gleichzeitig wurde eine elektrische Rekuperationsbremse von MFO eingebaut. 1939 erfolgte auch bei den drei auf der PBr eingesetzten Triebwagen 1669 – 1671 der gleiche Umbau, allerdings mit einer abweichenden Schaltung der elektrischen Rekuperationsbremse.
Alle Fahrzeuge erhielten 1948 bis 1958 neue Fahrmotoren von SAAS, wobei die sparsame SBB die alten Motoren für die Rangiertraktoren Tem III 321 – 365 weiter verwendete. 1966 – 1971 erhielten die Fahrzeuge 1661 bis 1671 in der Hauptwerkstätte Yverdon neue Stahlkästen. Die Fahrzeuge 1672 bis 1685 blieben unverändert. Ausser dem ersten Umbaufahrzeug 1669, das in SBB grün ausgeliefert wurde, erhielten alle umgebauten Fahrzeuge einen roten Anstrich. Der grüne 1669 errötete 1977 ebenfalls.
Auch die zugehörigen Steuerwagen stammen aus einer Umbauaktion. 1961 bis 1964 baute die Werkstatt Zürich auf alten Untergestellen 7 Steuerwagen BDti und 1963 bis 1965 9 Bti mit neuen Stahlkasten auf. Der Steuerwagen 903 war üblicherweise auf der PBr unterwegs. Im kalten und oft tief verschneiten Jura Hochtal (La Brevine, das Sibirien der Schweiz liegt ganz nahe…) waren die offenen Plattformen aber ungeeignet. Schnee und Eis bildeten beim Ein- und Aussteigen eine Gefahr und die eine Türe zwischen Plattform und Passagierabteil bot wenig Kälteschutz, dafür viel Zugluft. Deshalb wurde am Bt 903 1981 als einzigem der Serie die offene Plattform geschlossen und der Wagen erhielt passend zu den Triebwagen ein rotes Farbkleid.
In dieser Zusammensetzung habe ich die Personenzüge am 4. Februar 1985 fotografiert. Das Hochtal hatte an diesem Tag für die Jahreszeit wenig Schnee.

Man beachte auch die windschiefe Fahrleitung als kostengünstige Ausführung für Nebenstrecken. 04.02.1985 © Edi Meier, Bülach



Kommentare und Ergänzungen zu dieser Eisenbahngeschichte können an EG ät sgeg Punkt ch geschickt werden, oder nutzen Sie das Formular an unseren Vizepräsidenten Edi Meier. Danke für Ihre Mithilfe.
Zurück zu Eisenbahngeschichten.